denken sie

an nerze und marderhunde in vollmundigen nächten wie sie geiern und feixen lebendige dem wuchernden panoptikum entkommen in vollschutzanzügen und sehen sie genauer in die sequenzen längst vertilgter zwischenwirte da sind nimmermüde spuren meiner toten lieben in haut haaren seele und denken sie an die kunst zu fühlen und daran wie es kurz möglich schien nicht zu weinen

zapfenstreich

Jetzt neu in der Frankfurter Bibliothek für das zeitgenössische Gedicht!

wie die tage hineinwehen und hinauszittern wie sich das weltgewand aus dem verbliebenen körper schleicht ob es wohl glaubhaft wäre sich in letzten stunden dem glauben hinzugeben hilfesuchend gott liebt die zweifelnden sagst du hier begegnen sich die welten und der abschied riecht nach deinem duft und einer entdeckung dein frieden erfüllt die sphären es gibt kein wollen mehr und kein wünschen im entschwindenden körper im ehrfurchtsvollen erbeben der sich befreienden seele

standing ovations

ich bade meine seele im glitzern des meeresrauschens ich bade meine seele in der warmen unendlichkeit des sandes die leere in mir füllt sich mit der einfachheit klaren seins und im stillschweigen der welten verebbt sachte der blick standing ovations vor blankem horizont und könnte ich entschwinden täte ich es wohl hier mit dir

fremd

zeiten ziehen blank und pronomen krallen sich fest in offenen mündern schreien nach halt fallen frei sonnen sich in regenbögen mit allen die mögen und meins erstrahlt in neuem glanz in mir füllt mich bis oben hin mit fragen was fremd scheint schämt sich nicht und an den rändern offenbart sich alle schönheit

an grenzen

aus dem Lyrik Intensiv Online-Kurs der Textmanufaktur bei Sünje Lewejohann

ich stehe im zug ich sitze im zug ich reise zurück ich schaue nach draußen ich schaue nach drinnen ich schaue nach innen ich höre die sinne ich fühle die stimmen die polizei ist dabei die grenze ist im waggon einer muss den pass zeigen die anderen sprechen darüber der zug hält an bertriebshalt halt ich vermute was ich sehe einer muss gehen die reise beenden trägt schellen an händen ist ein kind von hinten zumindest warum bin ich traurig die mutter in mir weint nach der mutter des fremden kindes wo kann sie sein warum ist es allein wo kommt es jetzt hin wir wollen es wohl nicht haben oder was hat es getan dass es so kommt und geht ist es überhaupt ein kind im herzen was wissen wir schon

ein kleines wälzen

ein kleines wälzen im augenblick ein kleines sehnen ein kleines staunen in der großen stille die dasitzt mich anschaut von überall beredt allwissende große göttin der ängste die sich nicht vertreiben lässt aus ihrem paradies